Antoine Bodar

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Joseph Ratzinger und die Liturgie

17 mei 2017 |  Antoine Bodar |  Ratzinger-studies

Antoine Bodar

JOSEPH RATZINGER UND DIE LITURGIE

Prolegomena

Vorwort

Warum haben wir in Europa den Sinn für das Heilige, für das Sakrale, für das Numinose, für die uns überwaltigende Begegnung mit Gott in der Liturgie der Mutterkirche verloren? Und wie könnten wir diesen Weg in der Liturgie nach Gott zurückfinden? Diese Frage bewegt mich, weil nur auf diese Weise die Kirche wirklich Leib Christi bleiben kann und sich nicht (weiter) beschränkt zum Institut der Ethik.

Joseph Ratzinger zeigt diesen Weg in seinen Schriften und war als Papst eine Gnade für die Kirche diesen Weg weiter bekannt zu machen und Richtung zu geben.

Was versuche ich in dieser kleinen Studie zu untersuchen? Ganz wenig. Ich wollte nur wissen: Was bedeutet Liturgie ihrer Wesen nach in den Werken Joseph Ratzingers. Mehr nicht.

Nachteil dieser Studie ist, dass ich ziemlich viel nur Ratzinger reden lasse, obwohl dies mir auch als Vorteil angerechnet werden könnte. Der Schüler folgt dem Meister und hört ihm zu.

In jedem Fall weiss ich jetzt nachher — so dies nicht zu naseweis klingt — wie Ratzingers Einsicht in das Wesen der Liturgie wirklich ist.

Die prolegomena sind nicht mehr als Versuchungen mitzudenken und nachzudenken über Liturgie. So viel kommt damit dazu in den Kopf: die Analogie zwischen himmlischer und irdischer Liturgie, die Einsichten von Dionysius Areopagita, die Ahnungen von Teilhard de Chardin, die Auffassungen über Das Heilige von Rudolf Otto in seinem gleichnämigen Buch des Jahres 1917 und die Deutungen der Dichtkunst von T.S. Eliot in seinem Versuch Tradition and the individual Talent von 1919.

Zwei Fragen nur stelle ich mich hier und die erste Frage — über die Verbindung Ratzingers mit Guardini — ist Einleitung zu der zweiten.

In den ersten Paragraphen geht es über Ratzinger in seiner Jugend (I), über Guardini und die Liturgische Bewegung (II), über Guardini und Ratzinger (III).

In der Folge geht es hauptsächtlich — vergleichenderweise —  über die Liturgie-Publikationen Ratzingers in 1958, 1975 und 2000 mit im Mittelpunkt Anbetung, Ekklesia, Tempel, Opfer (IV-V), über die kosmische Dimension der Liturgie (VI), über den Empfang des Buches Der Geist der Liturgie VII). Zum Schluss kommt noch kurz Ratzingers Rezeption der Liturgiereform des letzten Konzils an die Reihe (VIII).

I

‘Die unerschöpfliche Realität der katholischen Liturgie hat mich durch alle Lebensphasen begleitet; so wird auch immer wieder die Rede davon sein müssen.’ So Joseph Ratzinger in den Erinnerungen.

In seiner Jugend ist es ihm schon ein fesselndes Abenteuer gewesen langsam in die geheimnisvolle Welt der Liturgie einzudringen. Da begegnete er einer Wirklichkeit, die nicht jemand erdacht hatte. ‘Dieses geheimnisvolle Gewebe von Text und Handlungen war in Jahrhunderten aus dem Glauben der Kirche gewachsen.’ Damals in seiner Jugend schon wurde die Liturgie Ratzingers Heimat. ‘Das Kirchenjahr gab der Zeit ihren Rhythmus, und ich habe das als Kind, ja, gerade als Kind mit grosser Dankbarkeit und Freude empfunden.’[1]

Es war ihm gegeben, immer mehr die Liturgie  wirklich als Mittelpunkt zu erkennen  und sie zu verstehen, ‘mitsamt dem ganzen geschichtlichen Geflecht, das dahintersteht’.[2]

‘Die Liturgie der Kirche war für mich seit meiner Kindheit zentrale Wirklichkeit meines Lebens und ist in der theologischen Schule von Lehrern wie Schmaus, Söhngen, Pascher, Guardini auch Zentrum meines theologischen  Mühens geworden.’ Nicht zufällig darum ist Theologie der Liturgie als erster Band der Gesammelten Schriften Joseph Ratzingers erschienen. In seinen Arbeiten zur Liturgie ging es ihm immer wesentlich dabei ‘um die Verankerung der Liturgie im grundlegenden Akt des Glaubens und so auch um ihren Ort im ganzen unserer menschlichen Existenz’.[3]

‘Wir waren fortschrittlich. Wir wollten die Theologie von Grund auf erneuern und damit auch die Kirche neu und lebendiger gestalten. Insofern waren wir glücklich, dass wir in einer Zeit lebten, in der sich nach Jugend- und liturgischer Bewegung von beiden her neue Horizonte, neue Wege öffneten’. So erinnert der emeritus-Papst sich seiner Studentenzeit im letzten Interview mit Peter Seewald. ‘Wir alle hatten, das war damals Mode, eine gewisse Verachtung für das 19. Jahrhundert. Also neue Gotik und diese etwas kitschigen Heiligenfiguren, die enge, etwas kitschige Frömmigkeit und Übersentimentalität. Das wollte man alles überwinden. Und zwar mit einer neuen Phase der Frömmigkeit, die sich gerade aus der Liturgie und ihrer Nüchernheit und ihrer Grösse gestaltet, indem sie auf das Ursprüngliche zurückgriff — und gerade dadurch auch wieder neu und modern war.’[4]

Der Dogmatiker Michael Schmaus hatte in seinem neuartigen Lehrbuch der Dogmatik eine lebendige Darstellung der katholischen Glaubenslehre  aus dem Geist der Liturgischen Bewegung und der neuen Zuwending zu Schrift und Vätern heraus geschrieben.

Gottlieb Söhngen, Fundamentaltheologe und Doktorvater Joseph Ratzingers, begnügte sich nie mit einer Art von theologischem Positivismus, sondern stellte sich mit grossem Ernst die Frage nach der Wahrheit und so auch die Frage nach der Gegenwart des Geglaubten. Er war auch in die vom Laacher Benediktiner Odo Casel begründete Mysterientheologie eingestiegen. Diese Theologie war unmittelbar aus der Liturgischen Bewegung herausgewachsen und mit ihr stellte er sich die Grundfrage nach dem Verhältnis von Rationalität und Geheimnis, nach dem Ort des Platonischen und Philosophischen im Christentum. Kennzeichend für ihn war aber vor allem, dass er immer von den Quellen her dachte.[5] Ratzinger schätzte dabei besonders seine Versuchungen zum Wirklichen durchzudringen, das hinter den Wörtern steht und seine Mut zum Abenteuer der Wahrheit. In der Totenmesse für Söhngen am 19. November 1971 sprach sein Meisterschüler Joseph Ratzinger die Gedenkworte: Für seinen Lehrmeister war es  klar, dass der Theologe nicht im eigenen Namen spricht, sondern dass er für den Glauben der Kirche steht, ‘den er nicht erfindet, sondern empfängt’. ‘Zutiefst kam die Furchtlosigkeit  seines Fragens aus der Erkenntnis, dass wir nicht fragen können nach der Wahrheit, wenn sie nicht zuerst gefragt hätte nach uns; dass wir Wahrheit nicht suchen könnten, wenn wir nicht schon zuvor gefunden wären von ihr.’[6]

Der Pastoraltheologe  Josef Pascher war als Direktor des Georgianums in München verantwortlich für die menschliche und priesterliche Formung der Studenten wie Ratzinger. ‘Er hat diese Aufgabe ganz aus dem Geist der Liturgie heraus wahrgenommen und uns alle auf unserem spirituellen Weg wesentlich geprägt.’ In seinem Erziehungssystem war alles auf die täglich gefeierte heilige Messe aufgebaut. Durch Pascher ist Ratzinger Anhänger der Liturgischen Bewegung geworden. Bisher war er dieser Bewegung mit einer gewissen Reserve gegenübergestanden. Bei vielen ihrer Vertreter spürte er  bis dann einen einseitigen Rationalismus und Historismus, der den Werten des Gemüts gegenüber eine merkwürdige Kälte spüren liess. Die gewisse Engherzigkeit vieler ihrer Anhänger, die nur eine Form gelten lassen wollen, störte ihm. Demungeachtet verstand er Liturgie als die Lebensgrund aller Theologie, so wie er das Neue Testament als ihre Seele verstand, wobei das Dogma als die lebendige Quelle der Theologie Erkenntnis überhaupt ermöglichte. ‘Kirche war für uns vor allem lebendig in der Liturgie und im grossen  Reichtum der theologischen Überlieferung.’[7]

In der theologischen Schule Ratzingers gehörten also Schmaus und Söhngen und Pascher  — jeder auf seiner eigenen Weise — der Liturgischen Bewegung zu. Dazu kam noch Romano Guardini, ein derer führender Vertreter, mit wem Pascher und Schmaus eng verbunden waren.[8]

Guardinis Einsicht nach hat diese Bewegung verschiedene Phasen durchlaufen:

Die erste, die mitten des neunzehnten Jahrhunderts von der neugegründeten Benediktinerabtei  Solesmes in Frankreich — und später auch von der neubegründeten Benediktinerabtei Beuron — ausging, nannte er ‘die restaurative’.  Ihr bleibendes Verdienst ist die Wiederbelebung der grossen gottesdienstlichen Traditionen der lateinischen Kirche, die Wiederentdeckung des Kirchenjahres und der in den liturgischen Büchern überlieferte  geistliche Schätze, insbesondere die Erneuerung des Gregorianischen Gesanges. Pius X. sicherte ihre Ergebnisse und machte sie in 1903 verbindlich durch das Motu Proprio Tra le sollecitudini und die Liturgiereform von 1911-1914. In dem genannten päpstlichen Brief wurde auch das Grundprinzip der Liturgischen Bewegung formuliert als die ‘tätige Teilnahme’ (actuosa communicatio/participatio actuosa) der Gläubigen an der Feier der hochheiligen Mysterien in der Liturgie der Kirche.

Die zweite Phase war die  von belgischen Benediktinerabteien — vor allem seit 1909 von der Abtei Mont-César (Kaisersberg) in Löwen —  ausgehende, ‘stark akademisch geartete, die den Gläubigen wieder unmittelbar zu den Texten führte’. Etwa seit 1913 ging allmählich die Führung der Bewegung auf die Benediktinerabtei Maria Laach in Deutschland über.

Die dritte Phase hatte ihre Zentren im Augustiner Chorherren-Stift Klosterneuburg in Österreich und in den Mittelpunkten der katholischen Jugendbewegung und Jugendarbeit. Sie war ‘vom praktischem, auf aktuelle Wirkung bedachten Charakter’. Sie suchte darum die Gemeinde in ihrer alltäglichen Wirklichkeit zu erfassen. Mit der Entdeckung der Liturgie in ihrer Bedeutung für die Gemeinde wurde die Kirche, die Liturgie, als Akt der Gesamtkirche entdeckt und realisiert. Von dieser dritten Phase ist Guardini selbst ein wichtiger Exponent gewesen.

Unterdessen hatte um 1940 die Entwicklung der Liturgischen Bewegung in Deutschland Übertreibungen auf der einen, allzu starres Festhalten auf der anderen Seite, zu einer ernstlichen Kontroverse geführt. In dieser Hinsicht hat Pius XII. Ruhe gebracht mit der Enzyklika Mystici Corporis in 1943. Später in 1947 griff er die Liturgiereform Pius’ X. auf und führte sie fort in der Enzyklika Mediator Dei. In 1956 nannte er die Liturgische Bewegung einen Durchbruch des Heiligen Geistes durch seine Kirche. Bewusster wurde man sich inmittelst in theologischen Kreisen die Kirche als Leib Christi und Volk Gottes zu verstehen.

Johannes XXIII. reservierte die Entscheidung über die Grundprinzipien der weiteren Reform einer künftigen Generalreform der Liturgie dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Eine Erneuerung der Liturgie aus dem Geist ihrer biblischen und patristischen Quellen würde das Ziel sein unter Wahrung auch später gewordenen Formen, doch nicht ohne deren notwendigen Anpassung an die Erfordernisse der Gegenwart.

Der Liturgischen Bewegung geht es um die Vertiefung christlichen Lebens.  Mit der Bezeichnung werden alle Bemühungen zusammengefasst, deren Ziel darin besteht, Verständnis und Bedeutung der Liturgie tiefer zu erschliessen, um geistlich aus ihr mit der Kirche zu leben — aus der Grundeinsicht, dass die Liturgie wesensgemäss Feier der Kirche ist.

Auf den Impuls des Konzils musste, Guardinis Erachtens, eine vierte Phase einsetzen, die sich mit dem lebendigen Vollzug beschäftigt und fragt: ‘Wie ist der echte liturgische Vorgang geartet […] Wie ist der tragende Grundakt gebaut? Welche Formen nimmt er an? Welche Fehlgänge  bedrohen ihn? Wie verhalten sich die Anforderungen, die er stellt, zur Struktur und zum Lebensbewusstsein des heutigen Menschen?’[9]

Guardinis Beitrag zur Liturgischen Bewegung und zu der damit zusammenhängenden Liturgiereform war vor allem ‘praktisch-religiös’.

Im Laufe seines Lebens verwirklichte er ein Doppeltes: einerseits die liturgische Bewegung  aus ihren monastischen und akademischen Gehäusen in die Gemeinden hineinzutragen; andererseits — zu gleicher Zeit — die Gläubigen liturgisch zu bilden durch Theologie und Pastoral. Gelungen ist ihm das zumal durch die Verbindung von Liturgischer Bewegung und Jugendbewegung im ‘Quickborn’ — einem katholischen Mitgliedverband von Jugendlichen — und in den unzähligen Treffen dieser Leuten auf Burg Rothenfels am Main von 1920 an. Hier hat Guardini neue Formen für die Gestaltung des Gottesdienstes vorgeschlagen und haben Quickborner bei ihren Tagungen auf dem Burg sie erprobt. ‘Erst hier gewann die Liturgische Bewegung ihren Sitz im Leben, ihre volle Verbindung mit der Kirche — Voraussetzung ihrer weltweiten Wirkung um Zweiten Vatikanischen Konzil’.[10]

II

Romano Guardini gehört nicht, wie seine Lehrmeister in München, zu den biographischen Wurzeln des Studenten Ratzingers, aber möglicherweise doch dann schon zu seinen geistlichen, obwohl er sich erst anlässlich des 100. Geburtstag von Guardini in 1985 ausführlich über ihn geäussert hat[11] und erst mit der Veröffentlichung seines bereits klassisch wordenden Buches über Liturgie in 2000[12] — ‘den Kerntext’ seines Sammelbandes Theologie der Liturgie [13] — mit Absicht den Titel gewählt hat, der sofort an Guardinis Klassiker liturgischer Theologie[14] denken lässt.

Als Ratzinger in Freising und München zwischen 1946 und 1959 studierte und unterrichtete, war Guardini von 1948 ab in der bayerischen Hauptstadt an der Universität und in der Universitätskirche Sankt Ludwig tätig.[15] Darüber hat Ratzinger sich offenbar nicht schriftlich geäussert. Andererseits hat der junge Philosophiestudent Joseph im Priesterseminar Freising doch öfter mit anderen Seminaristen nicht nur über Gelehrten wie Karl Jaspers, Martin Heidegger und Friedrich Nietzsche gesprochen, sondern auch über  Romano Guardini.[16]

Manchmal kann geistliche Verwandtschaft eines solchen Lehrmeisters so nahe sein, dass man so eine Persönlichkeit in derer Lebenszeit aus dem Weg geht und erst später in die Nähe kommen lassen kann.

In mancher Hinsicht ähneln sie sich, könnte man denken. Das ist unter mehr im feinen Gespür für die Liturgie.

Guardinis erster Besuch in 1903-1904  ans Kloster Beuron, wo ihm ‘das Wesen des Liturgischen zum ersten Mal klar’ worden würde, ist ihm tief in Erinnerung geblieben: Es war Abend, die Stunde für die Complet. Die Kirche war schon dunkel, nur wenige Lichter im Chor. Die Mönche standen an ihren Plätzen  und beteten die Psalmen auswendig. ‘Durch die ganze Kirche waltete ein Geheimnis, heilig und bergend zugleich. Später habe ich dann gesehen, dass die Liturgie viel mächtigeres und Herrlicheres hat; aber zu Anfang führt die Tür der Complet inniger in das Herz ihrer heiligen Welt hinein, als die Pforten der grossen liturgischen Handlungen.’ Damals hatte er manches von der deutschen Mystik  kennengelernt, die er auch liebte. Doch hatte er immer auch gedacht: ‘Es müsse noch eine andere Mystik geben, in welcher die Innigkeit des Geheimnisses mit der Grösse der objektiven Gestalten verbunden sei. In Beuron und seiner Liturgie habe ich sie gefunden.’[17]

Das war seine erste Erfahrung vorbildlicher benediktinischer Liturgie. ‘Wie tief gerade der erste Eindruck der damaligen liturgischen Bemühung führte, erweist die geheime und bedeutungsvolle Linie, die von Beuron unmittelbar zu dem frühen Meisterwerk Vom Geist der Liturgie (1918) führt.’ Kurz vor seiner Priesterweihe wurde er in 1909 Oblate der Erzabtei. Und es war in jener Zeit, dass er, in Beuron sich aufhaltend,  den Entschluss fasste ‘tiefer in das Wesen der Kirche einzudringen’ und das zu tun von der kontemplativen Seite her: Das war  der noch ungeschriebene Anfang.[18]

Zu Anfang des ersten Weltkrieges wollte Guardini dann einem Freunde, der ihn darum gebeten hat, klar machen was Liturgie ist. Dann schrieb er ihm einige längere Episteln. Und die waren schon so wie ‘der Grundstück’, die Kapitel des Buches. Er gab diese weiter und so erreichten sie auch den Abt von Maria Laach, Dom Ildefons Herwegen, bei wem sie ‘warmes Interesse’ fanden.

‘Damals wurde in Laach die Frage einer Reihe allgemeinverständlicher Veröffentlichungen über liturgische Dinge erörtet, und es kam zur Gründung der Sammlung Ecclesia Orans. Meine Kapitel aber wurden, als sie die nötige Zahl erreicht und sich zu einem Ganzen abgerundet hatten, als erstes Stück der Reihe genommen.’[19]

Zur Einführung der kleinen Schrift, die in knapp fünf  Jahren zu 12 Auflagen kam, schreibt Dom Herwegen:

‘Die Kirche ist die Vereinigung der wahren Anbeter Gottes […] Die Kirche steht ruhig und sicher inmitten der argen Welt. Was gibt ihr die Kraft zu stehen? Sie betet […] Wo wirklich die Kirche lebendig betet, da bricht nach allen Seiten hin überirdische Helligkeit, tätiger Friede, Lebens- und Menschenkenntnis, ware Menschenliebe hervor. Unser Beten entscheidet den Kampf unseres Lebens. Wer gut betet, der erfasst erst das ganze Leben in seiner Weite und Tiefe, findet das Gleichgewicht zwischen dem Endlichen und Undendlichen. Beten heisst den geschaffenen Willen verankern in dem Willen Gottes […] Teilhaben an der anbetenden Liebe der Kirche, Christi Braut, macht rein und stark.’

Diese Worte, geschrieben in 1918 — vielleicht jetzt nach hundert Jahren aktueller als damals und als jemals — , beschliesst der Benediktiner Abt mit Worten über die Kirche als organische Gemeinschaft, die sich tief innerlich gestaltet in der Äusserlichkeit der Liturgie:

‘Eine organische Gemeinschaft, die auf Gott gerichtet ist, muss einen öffentlichen gemeinsamen Kult haben […] Auch das Gebet der Einzelseele wird in ihr zur Liturgie. Christus und die Kirche, Christus und die Seele bilden eine vollkommene Parallele. Das Gebet des einzelnen wird aber durch die Liturgie auf ein objektives Fundament gestellt, auf ein grosses, überpersönliches Ziel gerichtet, über die Enge und die Zufälligkeiten des Individuellen hinausgehoben. Die ganze Schöpfung lobt in der Liturgie den Schöpfer, der einzelne spiegelt in sich das Universum.’

Worte des Abtes von damals, wie in unserer Zeit gesprochen von Papst Benedikt.[20]

Ursprünglich umfasst das Buch sechs Kapitel: Liturgie  ist Beten in Gemeinschaft,  in Stil und Symbolik, wobei der Logos das Primat über das Ethos hat. Dazu Liturgie als Spiel, das wahrscheinlich meist originelle Kapitel. ‘Der Gedanke vom “Spiel der Liturgie” war für die damalige Zeit etwas durchaus  Neues.’[21] Guardini, für wen die Liturgie ‘vor allem ein heiliges Tun’ ist[22],  wurde wahrscheinlich um dieses Kapitel kritisiert. Infolge dessen sah er sich nachher, ab der vierten und fünften Auflage 1920, gezwungen noch ein siebstes Kapitel hinzuzufügen: ‘Der Ernst der Liturgie’, um eindringlich zu zeigen, dass Spiel vom Ernst begrenzt sei.

‘Die Liturgie ist Kunst gewordenes Leben. Wie reich ihre Ausdrucksmittel sind, wie wohlgebildet ihre Formen, wie feingemessen ihre Verhälnisse, tritt jedem Empfänglichen deutlich ins Bewusstsein. So besteht die Gefahr, dass er den kirchlichen Gottesdienst nur in seinem Schönheitswerte würdige.’ Besorglich, sein Schriftchen möchte nach gleicher Richtung hin wirken, diese Hinzufügung: Es droht immer ‘die Gefahr’, dass sich hier ‘das Schöngeisterwesen breitmache’. ‘Aber dies darf nicht sein!’[23]

Die Liturgie schafft eine rechtgebaute geistliche Umgebung, damit die Seele sich darin auslebe. Sie kann vom Gesichtspunkt des Zweckes allein nicht begriffen werden. ‘Sie ist kein Mittel, das angewandt wird, um eine bestimmte Wirkung zu erreichen, sondern — bis zu einem gewissen Grade mindestens — Selbstzweck.’ Sie kann schon deshalb keinen ‘Zweck’ haben, ‘weil sie ja eigentlich gar nicht um des Menschen, sondern um Gottes willen da ist. In der Liturgie sieht der Mensch nicht auf sich selbst, sondern auf Gott; auf Gott ist der Blick gerichtet. In ihr solle der Mensch nicht sich erziehen, sondern auf Gottes Herrlichkeit schauen. Der Sinn der Liturgie ist der, dass die Seele vor Gott sei, sich vor ihm ausströme, dass sie in einem Leben, in der heiligen Welt göttlicher Wirklichkeiten, Wahrheiten, Geheimnisse und Zeichen lebe, und zwar ihr wahres, eigentliches, wirkliches Leben habe.’ Darum moralisiert die Liturgie auch wenig. In ihr bildet sich die Seele, weil sie im Licht der ewigen Wahrheit lebt. Und Guardini weist auf ‘zwei sehr tiefe Stellen’ in der Bibel, die in dieser Frage ‘das befreiende Wort’ sprechen: die Schilderung vom Gesicht Ezechiels im ersten Kapitel des nach ihm genannten Buches und das Sprechen der ewigen Weisheit im Buch Sprichwörter (8, 30-31): ‘Ich war bei ihm, alles ordnend, und zwar in Entzücken Tag um Tag, spielend vor ihm allzeit, spielend auf dem Erdkreis.’ ‘Das ist das entscheidende Wort’, so Guardini: ‘Es ist das Entzücken des ewigen Vaters, dass die Weisheit der Sohn,  aller Wahrheit vollkommene Fülle, in unaussprechlichlicher Schöne diesen unendlichen Inhalt vor ihm ausströmt, ohne allen “Zweck” — denn was sollte er “bezwecken”? — aber voll endgültigen Sinnes, in blosser, lauterer Lebensseligkeit: er “spielt” vor ihm.’  Im Bereich des Irdischen gibt es zwei Erscheinungen, die nach der gleichen Richtung weisen: das ist das Spiel des Kindes und das Schaffen des Künstlers. Aber die Liturgie leistet Höheres. In der Liturgie soll sich der Mensch vor Gott sich seiner Jugend erfreuen. ‘In ihr wird dem Menschen Gelegenheit geboten, dass er, von der Gnade getragen, seinen eigensten Wesenssinn verwirkliche […]’ Aus der Kunst nimmt er sich die entsprechenden Weisen und Gestalten an, obwohl in Wahrheit die Liturgie ihre Formen nicht aus der Kunst nimmt, sondern ‘der Kult steht am Anfang’ und die Kunst ist ‘ein aus ihm herausgesondertes Kulturgebilde’. ‘Vor Gott zu treiben, ein Werk der Kunst — nicht zu schaffen, sondern zu sein, das ist das innerste Wesen der Liturgie.’[24]

Guardinis Vom Geist der Liturgie ‘gilt ohne Vorbehalt als eine Grundschrift der Liturgischen Erneuerung’ des zwanzigsten Jahrhunderts.  Als er dieses Buch 1918 veröffentlicht hat, nahm er sich vor anschliessend an der Aufwertung der volkstümlichen Formen zu arbeiten. In 1919 schreibt er seinem Verleger: ‘Jetzt ist ein “Kreuzweg” mit einer “Einführung über das Wesen der Volksandacht’ fertig geworden. Er soll das Bändchen “Vom Geist der Liturgie” ergänzen und fortführen.’[25] In 1920 ist es erschienen.

III

Joseph Ratzingers Der Geist der Liturgie erscheint im Jubiläumsjahr 2000. Im ‘Vorwort’ nennt er Romano Guardinis Vom Geist der Liturgie sofort. Das Büchlein hatte er nach dem Beginn des Theologiestudiums zur Anfang des Jahres 1946 gelesen. ‘Diese kleine Schrift darf man wohl mit Fug und Recht als den Aufbruch der Liturgischen Bewegung in Deutschland bezeichnen […] Sie hat dazu geführt die Liturgie “wesentlicher” zu feiern […]

Wie damals die Liturgie ‘in mancher Hinsicht  einem Fresko glich, das zwar unversehrt bewahrt, aber von einer späteren Übertünchung fast verdeckt war’, so muss jetzt die Kirche davor behütet werden, dass das wiederentdeckte Fresco der Liturgie, das durch die Liturgische Bewegung und definitiv durch das II. Vatikanische Konzil freigelegt wurde, ‘zur ersten Stufe des definitiven Verlustes’ wird.  Wie Guardini, so geht es auch Ratzinger ‘um eine Hilfe zum Verstehen des Glaubens und zum rechten Vollzug seiner zentralen Ausdrucksformen in der Liturgie’. Seine wesentliche Absicht ist es auf neue Weise so etwas wie Liturgische Bewegung, ‘Bewegung zur Liturgie hin und in ihren rechten äusseren und inneren Vollzug hinein’ anzustossen.[26]

Ohne die Name Guardinis weiter zu nennen, fängt Ratzinger dann im ersten Kapitel  (über Liturgie und Leben) zugleich an zu erwähnen, dass in den zwanziger Jahren der Vorschlag gemacht wurde, die Liturgie als ‘Spiel’ zu verstehen. Und er referiert teilweise Sachen in bezug auf Spiel aus dem Büchlein Guardinis ohne das Thema wirklich zu vertiefen, um dann zum Kern zu kommen: Die Weise des Kultes kann allein vom Mass der Offenbarung, von Gott her geordnet werden. Das Leben des Menschen ist die Anbetung Gottes, ‘wenn es seine Form aus dem Blick auf Gott empfängt. Der Kult ist dazu da, diesen Blick zu vermitteln und so Leben zu geben, das Ehre wird für Gott.’ Der Kult, in seiner wahren Weite und Tiefe verstanden, reicht über die liturgische Aktion hinaus. ‘Der Mensch wird Verherrlichung für Gott, setzt ihn sozusagen ins Licht (und das ist Kult), wenn er von schauen auf ihn lebt […] Anbetung, die richtige Weise des Kultes, der Gottesbeziehung, ist konstitutiv für die rechte menschliche Existenz in der Welt. [Der Kult] greift voraus auf ein endgültigeres Leben und gibt gerade so dem gegenwärtigen Leben sein Mass.’[27]

‘Die Feier ist nicht nur Ritus, nicht nur liturgisches “Spiel”, sie will ja logike latreia sein, “Logisierung” meiner Existenz, die innere Gleichzeitigkeit zwischen mir und der Hingabe Christi.’[28]

Den Begriff Anbetung stellt Ratzinger nebst Opfer (logike latreia) ins Zentrum seiner liturgietheologischen Ausführung. Im Pascha-Mysterium verdichtet sich doch die ganze Heilsgeschichte. Diese Dimensionen Ratzingers Begriff Liturgie wird dadurch christologisch und soteriologisch fundiert. Dem Begriff Anbetung stellt Ratzinger die bei Paulus ( Röm 12,1) für das christliche Leben verwendete logike latreia (den Logosgemässen  Gottesdienst) gleich. Entscheidend an diesem Begriff  scheint für ihn  der Verweis auf den Logos in Person, auf den Sohn Gottes zu sein.[29]

Dieser Gottesdienst ist ‘als die angemessenste Formel  für die Wesensgestalt der christlichen Liturgie’ anzusehen. So Ratzinger: ‘Der Logos der Schöpfung, der Logos im Menschen und der wahre , menschgewordene ewige Logos — der Sohn — treffen einander. Alle anderen Gestaltbestimmungen greifen zu kurz. Wenn man  etwa die Eucharistie vom liturgischen Phänomen het als “Versammlung” oder vom Gründungsakt innerhalb des letzten Paschas Jesu her als “Mahl” beschreibt, so hat man nur Einzelelemente erfasst, verfehlt aber den grossen geschichtlichen und theologischen Zusammenhang. Das Wort “Eucharistie” hingegen, das auf die Anbetung, nämlich auf die in Menschwerdung, Kreuz und Auferstehung Christi geschehende universale Form der Anbetung verweist, kann sehr wohl als Kurzformel für die Idee der logike latreia dienen und darf deshalb als angemessene Bezeichnung für die christliche Liturgie dienen.’

Die Liturgie bleibt dennoch ‘Liturgie der Hoffnung’.  ‘Der neue, nicht von Menschenhand gemachte Tempel ist da , aber er ist zugleich noch im Bau.’[30]

Wie für Guardini ist auch für Ratzinger die Volksandacht nicht zu vernachlässigen. Auch für ihn ist sie — natürlich im Zusammenhang mit der Liturgie der Kirche und in enger  Verbundenheit damit — die Volksfrömmigkeit.

Auf dem religiösen Sektor wird Kultur — die vor allem Erziehung ist — sich zum ersten ‘im Wachsen authentischer Volksfrömmigkeit zeigen’.

‘Volksfrömmigkeit ist der Humus, ohne den die Liturgie nicht gedeihen kann.’ Darum bedauert Ratzinger, dass sie in Teilen der Liturgischen Bewegung und bei der Reform nach dem Konzil vielfach verachtet worden ist. ‘Sie ist die sichere innere Verwurzelung des Glaubens.’  Von der Volksfrömmigkeit können ‘erprobte Elemente’ in die liturgische Gestaltung übergehen. Die Liturgie hat übrigens durch die Weise des Feierns ‘immer auch ein je eigenes kulturelles Gepräge’ getragen.[31]

In Ratzingers Münchener Ansprache über Guardini in 1985 — die möglicherweise ebensoviel sagt über den Sprecher als über den Erinnerten[32] — kommt  ebensosehr die Wichtigkeit der Volksfrömmigkeit zur Sprache.

Er verdeutlicht an dem in 1923 von Guardini veröffentlichten Gespräch vom Reichtum Christi, publiziert im Sammelband Auf dem Weg, warum es ihm geht. Es ist ein Dialog zwischen drei Personen, die im Streit miteinander stehen über die Herz-Jesu-Verehrung — drei ‘Grundhaltungen, Formen der Frömmigkeit und der christlichen Existenz’:

Ein Caritassekretär, ein Mann ‘einer kernigen und gesunden Frömmigkeit’, die sich ganz von der herben Gestalt Jesu, wie besonders Markus sie zeichnet, nährt und für wen ein Herz-Jesu-Andacht zu kitschig und unnatürlich ist.

Ein Gelehrter, den an der Verehrung ihre Kulturlosigkeit stört. In der Herz-Jesu-Andacht herrscht nicht der Logos, sondern das Alogon und das Subjektive. ‘Deswegen schwärmt der Gelehrter von der Liturgie […] Der Logos lebt darin. Die Glut ist ganz Licht geworden und das Strömen ganz Form.’ In der Liturgie ist nicht so sehr Jesus von Nazareth, sondern das Wort, das Fleisch geworden ist, der Gottmensch —  ‘eine Überbildung aus voller Bejahung heraus’. Das geht dem Sekretär auch wieder zu weit.

An dieser Stelle mischt die dritte Person, ein Kaplan, sich ins Gespräch hinein. Er bestreitet nicht die Kulturlosigkeit der Herz-Jesu-Verehrung, aber erinnert daran, ‘dass Christus die Welt nicht durch Vernunft und Kultur gerettet hat, sondern durch einen Verbrechertod am Galgen’ und bestimmt — am Beispiel der Barbarei der Russischen Revolution und derer Vernichtung  der schönen, wohlausgewogener Kultur — die gefallene Natur der Menschheit, die zugrunde gehen wird. Die christliche Antwort kann nur eine Gesinnung sein, die reine Liebe ist. Wenn Letzte Zeiten angebrochen sind, helfen weder Geschichte noch Kultur.

In dieser Stunde des Gesprächs öffnet sich ‘das Lebendig-konkrete, zu dem der Zusammenhang von Logos und Alogon gehört’. Und dann formuliert der Caritas-sekretär den Satz, der die christologische Synthese prägnant zusammenfasst: ‘Unendlich kostbar ist jeder Zug der Evangelienwirklichkeit, aber wir sehen sie nur richtig im Licht der wesenhaften Wahrheit, wie sie aus der Ewigkeit her durch die Kirche in unsere Gegenwart spricht.’ So zitiert Ratzinger Guardini, um selbt hinzuzufügen:

‘Der Mensch ist auf Wahrheit hin geöffnet, aber die Wahrheit ist nicht im Irgendwo, sondern im Lebendig-Konkreten, in der Gestalt Jesu Christi. Dieses Lebendig-Konkrete erweist sich gerade dadurch als Wahrheit, dass es Einheit des scheinbar Gegensätzlichen ist, dass Logos und Alogon sich darin verbinden. Nur im Ganzen ist die Wahrheit. Und nur wo die Gegensätze umspannt werden ist die Wahrheit. Und nur wo die Gegensätze umspannt werden, ist das Ganze […] Es folgt daraus sein Ja zur Volksfrömmigkeit gegen allen liturgischen Exklusivismus. Für die Christologie bedeutet dies, dass kein Christusbild genügen kann […]’[33]

Auch für die Zusammenhang Liturgie und Anbetung zeigt Ratzinger seine Verwandtschaft — im gleichen Münchener Vortrag — mit Guardini.

‘Frei ist nur wer, “ganz das is, was er seinem Wesen nach sein soll”‘, zitiert er aus einem Aufsatz von 1921, auch publiziert in Guardinis Sammelbund Auf dem Wege[34]:

‘”Wahrheit ist Freiheit.” Wahrheit des Menschen ist Wesentlichkeit, Seinsgemässheit, und nun stösst Guardini direkt in den Kern des christlichen Menschenbildes vor: “Was aber ist Anbetung?” Der Gehorsam des Seins! … So ist Anbetung der erste, für alle weiteren grundlegende  Gehorsam: der Gehorsam unseres Seins gegen das Sein Gottes. Ist ein Sein in Wahrheit, ist ein Sein in Wahrheit; ist selbst nicht als Wahrheit.” Man sieht, wie wenig in solchem Denken Liturgie ästhetische Spielerei oder eine  Art von gemeinschaftlicher Selbstbestätigung oder von pragmatischer  Indoktrination ist. Sie ist Ruf des Wesens, Weg in die Wahrheit, weil Entsprechung zum Sein[…] Entscheidend ist, dass er [Guardini] die Offenheit zum Sein als Möglichkeit und Forderung unserer Existenz betonte. Entscheidend ist, dass Wahrheit Grundkategorie seines Denkens war und von hier aus Anbetung mit Denken zusammengehörte.’[35]

Genau wie Guardini — sehr deutlich in seinem Von heiligen Zeichen 1922 (und von Ratzinger genannt[36]) —  spricht dieser vor allem im vierten Teil seines Buches praktisch über solche Zeichen; der erste in 1918 ‘zur aktuellen Situation’ ohne weiteres, der zweite in 2000 dazu versuchend diese Situation immer heilsgeschichtlich zu erklären.

Noch mehr würde über die Verwandtschaft zwischen Ratzinger und Guardini, hier nur angedeutet in bezug auf die Liturgie, zu melden sein. So in der Angelegenheit der Bücher Der Herr (1937) und Jesus von Nazareth (2007-2012) und des gemeinsamen theologischen Lehrers Bonaventura.

‘Die Grundkategorien Guardinis sind nach Ratzinger in der Einheit von Liturgie, Christologie und philosophischen Verstehen zu finden. Das Streben nach der  Wahrheit führt zur Anerkennung eines Wesensmässigen Seins, das erkannt werden muss.’

Für sowohl Guardini als Ratzinger ist die Kirche die unabdingbare Voraussetzung des Glaubens. Beide setzten die Kirche ‘in ihrer Wirklichkeit als geschichtliche Wirklichkeit der Selbstoffenbarung Gottes voraus’. Denn ohne die Kirche könnte und hätte niemand den Zugang zur Person Jesu Christi.[37]

IV

Im Sommer 1958 hält Ratzinger in Salzburg zwei Vorträge über Liturgie, deren erster über Christus und Kult, Kirche und Liturgie handelt.

Man kann die Szene von der Reinigung des Tempels in den vier Evangelien erst dann wirklich verstehen, wenn man sie als ‘messianische Machthandlung, als prophetische Symbolgeste’ begreift. Denn Christus erweist sich dadurch als der von Malachias (5,1) vorhergesagte Herr des Tempels, der Bote des Bundes, der die Söhne Levis reinigt, ‘dass sie darbringen rechte Opfer des Herrn’ (3,3).  Das war ein Vollmachtshandlung und zugleich die Antwort auf die Frage: In welcher Vollmacht tust Du dies (Mk 13,28)? Dies bedeutet eine prophetische Vorwegnahme der Zerstörung des Tempels selbst und den Wiederaufbau in drei Tagen (cf. Joh 2,19). So handelt es sich um einen Angriff auf ‘das Wesenszentrum des alttestamentlichen Kultes’ selbt. An die Stelle des bisherigen Tempelkultes setzt Jesus einen Kult, dessen Zentrum ‘sein eigener verklärter Leib’ ist.  Und so kann man richtig die Weissagung Jesu (cf. Joh 4, 21. 23) verstehen, dass die Stunde kommt, zu der man weder auf einem Berg noch in Jerusalem den Vater anbeten wird. Denn Die Stunde kommt und sie ist schon da, zu der die wahren Beter den Vater anbeten werden im Geist und in der Wahrheit.

‘Die Bemerkung, dass im Augenblick von Jesu Tod der Vorhang des Allerheiligsten zerriss, verkündigt im Symbol, dass damit der alte Tempel tod ist […] Sinn aller Liturgie ist es, den Menschen in den einen der Menschheit, in Christus hineinzuführen, Christus zuvergegenwärtigen.’ Die Kirche ist  einerseits Leib des Herrn, anerseits ist der Leib des Herrn der einzige neue Tempel der Menschheit. Darum ist die Kirche ihrem Wesen nach die Kultstätte der Menschheit, der neue Tempel. Sie ist Christus totus und damit der wahre Tempel der Welt.[38]

Also ist der Zusammenhang von Liturgie und Kirche grundsätzlich  hergestellt.

Wie die griechische, so ist auch die biblische  ekklesia (Volksversammlung) an sich etwas religiöses, obwohl nicht unbedingt direkt. Immerhin erfolgt allmählich in der israelischen Volksgemeinde eine immer stärkere direkt religiöse Zuspitzing des Begriffs, so dass Volksversammlung dann einfach Volk Gottes bedeutet. Indem nun die junge Christenheit den Begriff ‘ekklesia’ in diesem Sinne  auf sich übertrug, sprach sie damit ihr Selbstbewusstsein aus ‘die heilige Gemeinde Gottes, das Volk der Heiligen, Gottes Volk’ zu sein — aber Volk doch in dem dynamischen Sinn der Volksversammlung wie bei den Juden und den Griechen: Auch hier bleibt durchaus die Nuance bestehen, ‘dass dieses Volk sein Volksein in der kultischen Versammlung vollzieht und in diesem Vollzug je neu empfängt’.

Im Neuen Testament lässt ekklesia sich in etwa drei Hauptbedeutungen zergliedern: Als Kultversammlung, als Ortsgemeinde,  als die Einheit aller Einzelkirchen, die eine Gesamtkirche bedeutet. ‘Das Wichtige am Ganzen ist aber die Übergangslosigkeit, mit der von einer Bedeutung zur anderen übergewechselt wird.’ Von der Sicht des Urchristentums her besteht kein Unterschied zwischen Ortskirche und Gesamtkirche. Man versteht beide Bedeutungen nur, wenn man erkennt, dass die Idee der universellen Kirche das Primäre ist. Auch zur Bedeutung Kultversammlung besteht keine Kluft oder Grenze, so dass wir hier der vollen Einheit  von Kirche und Kult, dem Kern des Verhältnisses von Kirche und Liturgie begegnen: ‘Die eine (ideale) Kirche, stellt sich konkret in Jerusalem, Korinth usw. dar, realisiert sich als Kirche in der Kultversammlung, verwirklicht im Kult das, was sie als Idee ist.’ Wie das ‘alte Volk’ eins war ‘vom alten Tempel und seinem Passah  her, so sind die Gemeinden der Glaubenden eins, vom neuen Tempel, vom Herrenleib her, von dem einen gleichen Brot […] Sie sind eine ekklesia, d.h. als Kultversammlung Gottes’. Die vielen Gemeinden sind eine in Christus. Die Kirche ist als die den Christusleib darstellende, vom eucharistischen Christusleib her lebende. Sie besteht als Volk Gottes, weil im Kult ihr wahrer göttlicher Lebensquell fliesst. Das ist der wahre Quell ihrer Existenz als Kirche, die auf dem Kult steht, der in der Liturgie seine konkrete Gestaltung erfährt.

Im Kultmysterium ist das Erlösungswerk selbst gegenwärtig, die Wirklichkeit der Heilstat selbst. ‘Die in den Sakramenten, im Kult der Kirche  sich vollziehende Begnadigung ist so […] reales Eingehen in die Person Christi, das dadurch zustande kommt, dass in den Sakramenten seine Heilstaten selbst gegenwärtig werden.’ Es ergibt sich folgender Aufbau: Das Ur-Mysterium offenbart sich im Christus-Mysterium und wird im Kult-Mysterium vergegenwärtigt. ‘Träger des Mysteriums ist der Christus totus, caput et corpus. Der Haupt ist der Hauptträger, der Leib aber ist der geschichtliche Träger, der nunmehr an die Stelle des einstigen irdischen Christusleibes tritt.’

Die Liturgie der Kirche reicht immerfort über die Tore der Kirchengebäude hinaus. ‘Die Kirche lebt aus dem Kult, aber umgekehrt: Wo immer Kult, wo Liturgie ist, das ist auch die ganze Kirche.’[39]

In 1975 behandelt Ratzinger das gleiche Thema noch einmal und wieder spricht er über die Szene der Tempelreinigung,  der vorhergesagten Tempelzerstörung und der Tempelwiederaufbau in Christus[40] — jetzt aber an der Hand des Tempels aus lebendigen Steinen im 1. Petrusbrief (2, 5. 7):  ‘Lasst euch  als lebendige Steine zu einem geistigen Haus aufbauen’; denn der Psalm (118, 22), den auch im Frühjudentum messianisch gedeutet worden ist, sagt: ‘Der Stein, den die Bauleute  verworfen haben, er ist zum Eckstein geworden.’  Der verworfene Stein, der Eckstein wurde, war ursprünglich Israel selbst. Sein Gehalt ist kennzeichnend für die Art und Weise, in der die Hoffnung des Alten Bundes sich im Angesicht des gekreuzigten und auferstandenen Jesus Christus verwandelt und vertieft. Zwei Texte aus Jesaja (28, 16 und 8, 14), die in die frühchristliche Katechese eingeschmolzen sind, sagen letzlich das Gleiche: ‘Christ werden heisst, in den Bau einzugehen, der auf dem verworfenen Stein errichtet wird. Sie sprechen von der Passion und von der Herrlichkeit der Kirche, die immer unter dem Gesetz des weggeworfenen Steines steht und gerade so den Traum der Hoffnung erfüllt, der letzlich hinter allem menschlichen Bauen steht […] Darum  erfüllt sich der Bauwille der  Menschen im Tempelbau, in jenem Bau, in den hinein er Gott einlädt. Der Tempel ist Ausdruck der Sehnsucht des Menschen, Gott als Mitwohner zu haben […] Der Gedanke des Tempels ist das eigentlich zusammenhaltende Motiv in den verschiedenen Stein-Worten des 1. Petrusbriefes und der verwandten neutestamentlichen Texte.’[41]

Auf dem Hintergrund des Alten Testamentes lässt sich die Neubau des Tempels aus lebendigen Steinen verstehen durch die Geschichte Königs Davids, der Gott ein Haus bauen will und sich darin zunächst vom Propheten Natan ermutigt findet. Nächtens kommt dann jedoch Gottes Wort über Natan mit neuer Weisung (2 Sam 7, 5. 11): ‘Geh zu meinem Knecht David, und sag zu ihm: So spricht der Herr: Du willst mir ein Haus bauen, damit ich darin wohne? […] Nun verkündet dir der Herr, dass der Herr dir ein Haus bauen wird.’

Nicht der Mensch baut Gott ein Haus, Gott baut dem Menschen ein Haus. Den Bau Gottes führt Gott selber aus. ‘Hier ist die Ewigkeit des Königtums Davids vorhergesagt und die Ewigkeit seines Hauses, das Gottes eigener Bau sein wird […] Gott bleibt der Unbehauste, dem jeder Bau aus Stein zu eng ist und der dennoch im Menschen, gerade in ihm, Raum findet. Sein Wohnen geschieht in der Gnade, die baut.’[42]

‘Der Hebräerbrief kreist in seiner Ganzheit um das Thema des Priestertums Jesu Christi und insofern auch um den Begriff des christlichen Kultes.’ So Ratzinger in 1958 im zweiten Salzburger Referat ‘Vollzogene Gemeinde im Leben’.[43]

Die Einzigartigkeit von Christi Priestertum wird so herausgehoben, dass damit auch die Einzigartigkeit  des christlichen Kultes dargestellt wird, der selbstverständlich mit dem Vollzug im Leben zusammenhängt.

Der Hebräerbrief stellt das wesenhafte Gestalt von Christi Priestertum im doppelten Spiegel dar: im Vorbild des königlichen Priestertums Melchisedeks eher positiv, im Gegenbild des levitischen Amtspriestertums eher negativ. Die Sündigkeit des levitischen Priesters erscheint etwa als Gegenbild für die Sündelosigkeit Christi, aber sie ist doch insofern bedeutsam, als sie die Menschlichkeit des Hohenpriesters anzeigt: ‘Priestertum ist etwas spezifisch Menschliches, Christus ist Priester gerade dadurch, dass er Mensch ist’, wie mit entschlossenen Nachdruck der Hebräerbrief betont.

‘Der Hohepriester des A[lten] T[estamentes] tritt mit dem Blut von Böcken und Stieren hinter den Vorhang in das Allerheiligste und vollzieht den Sühneritus für seine und des Volkes Sünden. Dieser Weg […] ist nur Schatten und Bild des Weges, den Jesus der Herr gegangen ist: Mit seinem eigenen Blut tritt er hinter den Vorhang des ewig-unzugänglichen Lichtes, in dem Gott wohnt und holt dort ewige Versöhnung.’ (Cf. Hebr 4, 14; 6, 19-20; 8, 11ff) Der Herr bringt nicht weniger als sein Ich, seine unendliche gottmenschliche Liebe. An die Stelle des Hineingehens in den räumlichen Bezirk des Tempels, tritt hier der innere transitus in die Inwendigkeit Gottes hinein, die Liebe ist (cf. 1 Joh 4, 8. 16). ‘Dieser innere transitus ist das christliche Pascha. Christus tritt also in den Wesensraum der Liebe ein […] Und darin beruht die Erlösung der Menschen, dass einer diesen Weg geht, dass er dadurch das lodernde Feuer der Unzugänglichkeit Gottes durchbricht, indem er durch das Feuer letzter Selbsterniedrigung und Selbsthingabe hindurchschreitet.’

Das innerste Wesen des christlichen Kultes wird damit klar: Es besteht in der agape eis telos. Für den Priester ist nicht nur Menschlichkeit kennzeichnend, sonderd auch jene agape, die das Wesenselement Gottes ist. Kult besteht in der Ganzhingabe des eigenen Ich an Gott. Kult besteht ‘in dem realen und schmerzlichen transitus caritatis: Aus der Selbstverfallenheit heraus in die reine Hingabe hinein’.

Viele Ausleger sehen im Hebräerbrief eine kultfeindliche Epistel, die nur noch einen Kult zulässt: das christliche Leben. Die Frage kann in der Tat erhoben werden, welche Stellung der Ritus noch in der Gesamteinheit des christlichen Kultes einnehmen darf. Unter Hinweis auf De civitate Dei (X 6) von Augustinus stellt Ratzinger fest, dass der Kult in der Gottförmigkeit des Menschen besteht, dass der konkrete Mensch dazu nicht fähig ist, dass Christus den Weg der Gottförmigkeit stellvertretend für uns geht und dadurch den Kult um die Dimension der erbarmenden Nächtstenliebe vermehrt. Übrig bleibt dann ebensogut die Frage, wie den Menschen selbst wieder in die Gottesverehrung einzuschalten: Wie kommt der Mensch in den Christus-Weg, in Christus hinein?

‘Er muss selbst eintreten in den Geist Christi, in die forma Dei, in jene caritas, die der allein wahre Kult ist […] Man kann [jedoch] Christi Geist nicht haben, es sei denn im Leibe Christi […] Wer Christus haben will, muss […] in die Kommuniongemeinschaft der Christen eintreten. Hier sieht man, wie die ethische Forderung nach der Gesinnung Christi, nach dem schlichten Kult des täglichen Lebens aus der Liebe eins wird mit der sakramental-liturgischen Forderung des Christentums, wie beide sich bedingen, so dass die Einheit von Liturgie und Leben aufleuchtet.’

In diesem Kontext wird desto deutlicher, welches das Wesen der Eucharistie ist: Die concorporatio der Christen in den einen Christus hinein, das Einswerden mit dem transitus caritatis des Kreuzes Jesu Christi. Deshalb nach Augustinus: Hoc est sacrificium christianorum: Multi unum corpus in Christo. Darum muss die Eucharistie, wie alle übrigen Sakramente, mit innerster Notwendigkeit ins tägliche Leben hinein ausstrahlen. ‘Denn wenn es das Wesen der Euchaistie ist, uns mit Christus und so auch untereinander real zu vereinigen, dann bedeutet dies, dass die Eucharistie gar nicht bloss Ritus und Liturgie sein kann, dass sie überhaupt nicht im Kirchenraum zu Ende gefeiert werden kann, sondern dass die tägliche nüchterne Liebe zueinander ein Wesensteil der Eucharistie selber ist […]’ Darum — noch einmal nach Augustinus: ‘Ein einziger Leib, aus vielen gebildet. Bedenkt, dass das Brot nicht aus einem einzigen Korn bereitet wird, sondern aus einer grossen Menge von Körnern […]  Seid denn, was ihr seht und empfanget, was ihr seid.[44]

In 1975 kehrt die Frage nach dem Kult und damit nach dem christlichen Kirchbau zurück — jetzt an der Hand der lebendigen Steinen: ‘Wie müssen wir feiern, damit wir auf der Linie jenes Weges bleiben, der von Natan bis zur Tempelprophetie Jesu, des verworfenen Ecksteins, führt?’ Wie war in dieser Hinsicht die Situation in der werdenden Kirche? Ratzinger bringt in Erinnerung, dass die Apostel, wie Jesus selbst, im Tempel eine Stätte des Gebetes geliebt haben als Haus des Gebetes; sie bewogen sich in jenem Teil des Tempels, den man als eine Art Synagoge ansprechen darf. Er war als Bethaus aller Völker verstanden, und damit war zugleich die Voraussetzug für die Universalität der Kirche geschaffen. Äusserlich  zeigt sich diese Wende am klarsten in der Veränderung  der Gebetsrichtung: Der Jude betet in Richtung Jerusalem, der Christ betet nach Osten: Die aufgehende Sonne sinnbildet den auferstandenen Christus und wird zugleich als Zeichen seiner Wiederkunft verstanden. Die werdende Kirche universalisiert den Tempel und schafft dadurch neue Möglichkeiten der Gestaltung. Das lebendige Haus soll alle Menschen versammeln, darum wachsen nun in aller Welt Häuser der Versammlung, Stätten des Gebets. Bedenken wir auch die Inkarnation, Gottes Fleischwerdung, als sein Eintreten in die Materie und deshalb die Versichtbarung des Glaubens und so das Aufrichten seiner Zeichen in der Welt der Materie: Die Idee der Verherrlichung und der Versuch, die Erde bis in den Stein hinein zum Lobpreis zu machen und so die kommende Welt vorwegzunehmen. Die Bauten sind damit vergegenwärtigte Hoffnung.

Vier Schritten wendet Ratzinger dann an, um das Verhältnis zu einander steinerner Bau und Bau aus lebendigen Steinen zu erklären: ‘Wo der Geist nicht baut, werden die Steine stumm.’ (1) Das bedeutet auch die grundsätzliche Ersetzbarkeit und die grundsätzliche Gleichwertigkeit aller Kirchbauten. (2) Das bedeutet weiter die grundsätzliche Offenheit aller Gotteshäuser; sie sind Heimstatt der Glaubenden allerorten: ‘Wo Kirche ist, wo eucharistische Präsenz des Herrn ist, erlebt er [der Glaubende] Heimat. Aber damit solches geschehen kann, ist erfordert, dass der Glaube als Versammlung, als Einheit erlebt wird. (3) Besteht nicht das Besondere des Christlichen darin, dass die christliche Vergeistigung zugleich eine Inkarnation ist? ‘Der Geist, in den sie das Bisherige umwandelt, ist der Leib Christi […] Vergeistlichen heisst christlich Inkarnieren, aber Inkarnieren heisst vergeistigen, die Dinge der Welt dem kommenden Christus zuführen.’ (4)

Das alles führt  zunächst auf das ganz Elementare zurück, nämlich auf dies, dass ‘Gott sein Haus in der Tat zuerst selber baut […], dass wir allein, aus uns, es nicht machen können’.[45]

V

Was fügt Ratzinger 2000 mit dem Buch Der Geist der Liturgie uns in dieser Hinsicht das Thema ‘Bibel, Kult und Kirche’ hinzu? Wieder wählt er eine andere Perspektive, womit seine Gedanken über dies Alles noch einmal verbreitet werden.

‘Kult ist der in aller Geschichte anwesende Versuch, Schuld zu überwinden und so die Welt wie das eigene Leben in die rechte Ordnung zurückzuführen.’ Das Opferwesen der Weltreligionen beruht auf der Idee der Vertretung. Das Besondere der Liturgie Israels ist zunächst zweifellos in ihrem Adressaten: Anbetung gebührt Gott allein, das ist das erste Gebot.

Genesis und Exodus stellen an den Anfang der Kultgeschichte zwei Begebenheiten, in denen die Problematik der Vertretung ganz deutlich angesprochen ist. Das ist erstens das Abrahamsopfer (cf. Gen 22). Ihm wird statt seines Sohnes Isaak ein männliches Lamm gegeben: Eine Erwartung des wahren ‘Lammes’, das von Gott kommt und gerade darum für uns wirkliche Vertretung ist. Die christliche Kulttheologie hat in Christus das ‘Lamm Gottes’ erkannt (cf. Joh 1, 29; cf. auch Apk 5). Die zweite Begebenheit ist die Begründung der Pascha-Liturgie (cf. Ex 12): Das österliche Lamm-Opfer als Zentrum des gottesdienstlichen Jahres und der Glaubenserinnerung Israels. Das Lamm erscheint klar als Ablöse, durch die Israel vom Tod der Erstgeburt befreit wird. Aber diese Ablöse hat auch Verweischarakter. Denn es ist die Erstgeburt selbst, auf die Gott Anspruch erhebt. So soll man den Nachdruck verstehen, mit dem Lukas (2, 7) Jesus als den ‘Erstgeborenen’ bezeichnet.

Im Alten Testament ist das Opferwesen ständig von einer prophetischen Unruhe begleitet und in Frage gestellt: ‘Wertervoller als Opfer ist Gehorsam, Folgsamkeit als Widderfett’ (1 Sam 15, 22). ‘Bundestreue ist mir lieber als Schlachtopfer’ (Hos 6, 6). Und dann im Munde Jesu ganz elementar: ‘Erbarmen will ich, nicht Opfer’ (Mt 9, 13; 12, 7). Und wenn Stephanus (cf. Apk 7) an der Hand der Schriften die Geschichte des Volkes Israels in Erinnerung bringt und Gottes liebevolle Sorge für sein Volk schildert — auch ohne Tempel und ohne Gesetz — ist diese Rede schon völlig vom christlichen Glaube geprägt. ‘”Habt ihr mir etwa Schlachtopfer und Gaben dargebracht während der vierzig Jahre in der Wüste, ihr vom Haus Israel? Das Zelt des Moloch und den Stern des Gottes Romfa habt ihr herumgetragen, die Bilder, die ihr gemacht habt”, um sie anzubeten.’ So zitiert Stephanus (Apk 7, 42-43) Amos (5, 25-27). ‘Die Tieropfer als solche  erscheinen hier’, kommentiert Ratzinger, ‘als eine Verzerrung der Anbetung des einen Gottes.’

Mose habe das Zelt, Gottes Befehl gemäss, nach dem Urbild geformt, das er auf dem Berg Sinai geschaut hatte (cf. Apk 7, 45; Ex 25, 40; Heb 8, 5). Der Übergang vom Zelt nach Tempel, gebaut von Salomo, wird bereits als ein Abfall gesehen. ‘Doch der Höchste wohnt nicht in dem, was von Menschenhand gemacht ist, wie der Prophet (Jes 66, 1-2) sagt (Apk 7, 48): “Der Himmel ist mein Thron und die Erde der Schemel für meine Füsse. Was für ein Haus könnt ihr mir bauen?, spricht der Herr. Oder welcher Ort kann mir als Ruhestätte dienen? Hat nicht meine Hand dies alles gemacht?”‘

Hat nicht Mose vorhergesagt (Dtn 18,15): ‘Einen Propheten wie mich wird Gott euch aus euren Brüder erwecken’? , zitiert Stephanus (cf. Apk 7, 37) die messianische Prophetie.

Die Linie der Propheten, die Mose nachfolgten, vollendet sich in dem gekreuzigten Gerechten (cf. Apk 7, 51f).[46]

Wie in 1958 zumal in der Perspektive der ekklesia, und in 1975 zumal in der Perspektive der lebendigen Steinen, führt Ratzinger hier die Tempelgeschichte besonders in der Perspektive des Opfers an.

Der Herr löst den von Menschen gebauten Tempel auf und baut binnen drei Tagen einen anderen, der nicht von Menschenhand gebaut ist (cf, Mk 14, 58).[47]

Die Auflösung  seines irdischen Leibes wird zugleich das Ende des Tempels sein. Mit seiner Auferstehung wird der neue Tempel beginnen: der lebendige Leib Jesu Christi, worin er die Menschen einbezieht. Damit wird die Auferstehungsprophetie zugleich eine Eucharistieprophetie: ‘Das Geheimnis des geopferten und gerade so lebendigen Leibes Christi kündigt sich an, der sich uns mitteilt und uns so in die reale Verbindung mit dem lebendigen Gott hineinführt.’

Mit der Auferstehung Jesu fängt alles aufs neue an. Doch hatte sich vorher bereits  das Neue abgezeichnet. Einerseits wurde das babylonische Exil zur Herausforderung, das Kommende deutlich zu formulieren. In jener Krise formte sich immer klarer der Gedanke, dass gerade die leeren Hände und das erfüllte Herz selbst Kult waren und als inneres Äquivalent zu den fehlenden Tempelopfern gelten durften. Andererseits kam im Raum Alexandriens die Berührung mit der griechischen Kultkritik dazu. Und auf diese Weise reifte nun immer mehr ‘der Gedanke der logike latreia (thysia), der uns im Römerbrief (12, 1) als christliche Antwort auf die Kultkrise der ganzen antiken Welt begegnet’: Angesichts des Erbarmens Gottes, ermahnt uns Paulus da, uns selbst als lebendiges und heiliges Opfer darzubringen, das Gott gefällt; das ist für uns der wahre und angemessene Gottesdienst.

‘Das Wort ist das Opfer, das Gebetswort, das aus  dem Menschen aufsteigt und die ganze Existenz des Menschen in sich aufnimmt und ihn selbst zu Wort (logos) werden lässt. Der Mensch, der sich zum Logos formt und Logos durch den Glauben wird, der ist das Opfer, die wahre Herrlichkeit Gottes in der Welt.

Wenn von der Leidenserfahrung des Exils und der hellenistischen Epoche her zunächst ganz das Gebetwort als Äquivalent  zum äusseren Opfer im Vordergrund stand, so tritt durch das Wort Logos nun die ganze Wort-Philosophie der griechischen Welt in diesen Gedanken ein. Der griechische Geist steigert dies schliesslich zur Idee mystischer Vereiniging mit dem Logos, dem Sinn aller Dinge selbst.’

Aber die Idee des Logos-Opfers wird erst voll in Logos incarnatus, das Fleisch gewordene Wort, das ‘alles Fleisch’ hineinzieht in die Verherrlichung Gottes; denn er nimmt die Erwartung der Schöpfung in sich auf und trägt sie zu Gott hin.

‘Nun ist “Wort” nicht mehr bloss Vertretung von Anderem, Leibhaftigem; nun ist es in der Selbstübergabe Jesu am Kreuz zusammengeführt mit der ganzen Realität menschlichen Lebens und Leidens. Nun ist es nicht mehr Ersatzkult, sondern die Stellvertretung Jesu nimmt uns auf und führt uns in jene Verähnlichung mit Gott […] So ist Eucharistie von Kreuz und Auferstehung Jesu her das Ineinandertreffen aller Linien des Alten Bundes, ja der Religionsgeschichte überhaupt: der immerfort erwartete und doch immer über uns Vermögen hinausgehende rechte Kult, die Anbetung “in Geist und Wahrheit” (Joh 4, 23).’[48]

Wie in 1958 und in 1975 folgt nach den mit der Tempelgeschichte zusammenhängenden Auseinandersetzungen auch in 2000 die Frage nach der Bedeutung des Kirchengebäudes.

Ist nicht die ganze Welt Heiligtum Christi? Und vollzieht sich Heiligkeit nicht gerade im recht gelebten Alltag? Nein, zur christlichen Existenz gehört das ‘Noch nicht’. Das Neue Jerusalem ist noch nicht da. Der Alte Bund befindet sich jetzt allerdings in der Zeit des Neuen Bundes, aber die Zeit der Kirche bleibt Zwischenzeit. Aus diesem Verständnis ergibt sich die spezifische Form liturgischer Theologie, die Theologie der Symbole ist.

‘Das unmittelbar Geschehende — die Liturgie — ist nur sinnvoll und für unser Leben bedeutend, weil es die beiden anderen Dimensionen in sich trägt; Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft durchdringen sich  und berühren Ewigkeit.’ In den Gebeten des Römischen Kanon wissen wir uns verbunden mit den Opfernden der Vorgeschichte, realisieren wir uns das historische Faktum Jesu, geopfert, gestorben, auferstanden, vereinigen wir uns mit den Menschen die, obwohl gestorben, noch nicht bei Gott sind, wie wir selbst noch nicht hier auf der Erde Ihn sehen können,  und vereinigen wir uns schon mit der Liturgie im Himmel, im Neuen Jerusalem. Das ist die Gleichzeitigkeit der Liturgie. ‘Bedürfen wir […] noch des heiligen Raums, der heiligen Zeit, der vermittelnden Symbole? Ja, wir brauchen sie, gerade damit wir durch das “Bild”, durch das Zeichen lernen, den offenen Himmel zu sehen.’ Die christliche Gemeinde braucht den Ort der Versammlung. ‘Es ermöglicht das liturgische Miteinander. Das ist unbestreitbar eine wesentliche Funktion des Kirchengebäudes, wodurch es sich auch von der klassischen gestalt des Tempels in den meisten Religionen unterscheidet.’ Nicht zufällig erhielt das christliche Kirchengebäude sehr bald den Namen domus ecclesiae (Haus der Versammlung des Gottesvolk, Haus der Kirche). ‘Den “Kult” vollzieht Christus selbst in seinem Stehen vor dem Vater, er wird der Kult der Seinigen, indem sie sich mit ihm und um ihn versammeln.’ Die Versammlung hat ein Wozu. Dieses Wozu ist der Kult, der die Zusammengerufenen eint. Das christliche Gotteshaus entsteht ganz in der Kontinuität mit der Synagoge.[49]

VI

Die Kirche soll —  wie im Alten Testament der Tempel — Stätte der Herrlichkeit sein. Sie muss ‘die Stimme des Kosmos wecken und, indem sie den Schöpfer verherrlicht, dem Kosmos seine Herrlichkeit entlocken, ihn selbst herrlich und damit schön, bewohnbar, liebenswert machen’. So Ratzinger in 1985.[50] Und im gleichen Jahr noch einmal, wenn er schreibt über die Auferstehung als Grundlegung christlicher Liturgie und da den Zusammenhang zwischen Sonntag, Liturgie und Schöpfung zeigt.

In den alttestamentlichen Schilderungen von der Bundesschliessung am Sinai ist der dritte Tag jeweils der Tag der Theophanie. Mit der Zeitbezeichnung ‘am dritten Tag’ ist demgemäss die Auferstehung Jesu als das endgültige Bundesgeschehen gekennzeichnet, ‘als das endgültige, wirkliche Hereintreten Gottes in die Geschichte’. Es gibt die wirkliche Theophanie in der Welt, die darin geschehen ist, dass einer über den Tod hinausgekommen ist. Sie ist dadurch geschehen, dass auch der Leib in die Ewigkeit aufgenommen wurde. ‘In der Auferstehung führt Gott die Gutheissung des siebten Tag zu Ende.’ Gott sagt sein definitives ‘Gut” zur Schöpfung, indem er sie in sich aufnimmt.

Auferstehung ist der Beginn eines Präsens, das nicht mehr endet. ‘Die Eucharistie ist das Präsens des Auferstandenen, der in den Zeichen der Hingabe immerfort sich selber gibt und so unser Leben ist. Darum ist die Eucharistie selbst und als solche der Herrentag: “dominicus” […] Der dritte Tag nach dem Tod Jesu ist ja der erste Tag der Woche, der Schöpfungstag, an dem Gott sprach: es werde

Licht!’ Schöpfung und Glaube lassen sich nicht von einander ablösen. Der Sonntag ist der Kulttag der Christen.[51]

In der Öffnung des Buches Der Geist der Liturgie kommt Ratzinger auf die Verbindung zwischen Liturgie und Kosmos und Geschichte zurück.

In den Religionen der Welt sind Kult und Kosmos immer fest miteinander verbunden. Zum Kreislauf des Seins gehört einerseits die Macht der Götter, die die Welt trägt,  und  andererseits die Gabe der Menschen, die die Götter von der Welt her versorgt. Die Menschen  seien ein wesentliches Glied im Zirkel des Alls. Und darin zeigt sich eine tiefe Sinnsbestimmung des Menschseins: ‘Der Mensch ist für Gott da, und so dient er dem Ganzen.’

Im alttestamentlichen Schöpfungsbericht (Gen 1, 1-2, 4) geht die Schöpfung auf den Sabbat zu, auf den Tag, an dem der Mensch und die ganze Schöpfung an Gottes Ruhe teilnehmen. Darum sind die Bestimmungen des Sinai über den Sabbat aus der gleichen Quelle als der Schöpfungsnachricht. Der Text im Buch Exodus über die Kultgesetzgebung ist in strenger Parallelität zum Schöpfungsbericht gebaut. Der Sabbat fasst das Wesen des Bundes zwischen Gott und Mensch von innen her zusammen. Schöpfung ist damit ein Ort für diesen Bund. Das heisst dann auch, dass sie als Raum Ort der Begegnung von Gott und Mensch ist und damit als Raum der Anbetung. Denn Gott lieben heisst Gott anbeten.

Als Kern des Kultes erscheint praktisch in allen Regionen das Opfer. Die Überneigung an Gott besteht in der Vereinigung  des Menschen und der Schöpfung mit Gott. Gotteszugehörigkeit hat mit einer Weise des Seins zu tun. Sie bedeutet  jenes Sich-Verlieren (cf. Mk 8, 35; Mt 10, 39). Das wahre ‘Opfer’ sei ‘die zur Liebe gewordene Menschheit, die die Schöpfung vergöttlicht und die Übereignung des Alls an Gott ist: Gott alles in allem (1 Kor 15, 28) — das ist das Ziel der Welt, das ist das Wesen von “Opfer” und Kult.’

So verstanden, ist das Ziel des Kultes und das Ziel der Schöpfung im ganzen dasselbe. Damit erscheint aber im ‘Kosmischen’ selbst das Geschichtliche: Der Kosmos ist selbst namentlich Bewegung, von einem Anfang zu einem Ziel hin. Der freie Schöpfungsakt des Schöpfers, der will, ‘dass es das Geschaffene als etwas Gutes ihm gegenüber gebe, aus dem eine Antwort der Freiheit und der Liebe zu ihm zurückkommen kann’. ‘Das Wesen des Kultes, des “Opfers” als Prozess der Verähnlichung […] nimmt nun das Moment der Heilung in sich auf, der liebenden Umwandlung der gebrochenen Freiheit in die durchlittene Weise des Versöhnens.’ Zu ihm gehört  nun das Verwiesensein auf den anderen: ‘Erlösung bracht nun den Erlöser.’ Der Logos, ‘der ewige, im Sohn Gottes lebende Sinn des Alls’, nimmt Menschennatur an und trägt als Gottmensch das Geschöpf Mensch wieder heim.  Damit nimmt nun freilich  das Opfer die Form des Kreuzes Christi an, der sich im Tod verschenkende Liebe, die eine Akt der Neuschöpfung ist, der die Schöpfung wieder zu sich selber bringt.  Aller Kult ist nun Beteiligung an diesem ‘Pascha’ Christi.

Kosmischer Kreis und geschichtlicher Kreis bleiben trotz ihrer Differenz letztlich der eine Kreis des Seins: ‘Die geschichtliche Liturgie des Christentums ist und bleibt […] kosmisch.’ Es gibt die einmalige Neuheit des Christlichen, und nimmt doch alle bestehenden Motive der Weltreligionen in sich auf.[52]

Die frühen Christen haben nach Osten, zur aufgehenden Sonne, dem Sinnbild des wiederkehrenden Christus, gebetet, um damit zu zeigen, dass die ganze Welt auf Christus zugeht und Er diese Welt umfasst. ‘Gerade heute, da uns die Bedeutung der Wechselwirkungen zwischen Erde und Weltall wieder bewusst wird, sollte man auch den kosmischen Charakter der Liturgie neu erkennen. Und ebenso den geschichtlichen.’ So Papst Benedikt in 2010.[53]

Und zwei Jahre vorher am Hochfest Peter und Paul in seinem Kommentar zum Römerbrief (15,1-26): ‘Er [Paulus] spricht von der kosmischen Liturgie, in der die Welt der Menschen selbst Anbetung Gottes, Opfer im Heiligen Geist werden soll. Dann ist die Welt an ihrem Ziel, dann ist sie heil, wenn sie als ganze Liturgie Gottes, in ihrem Sein Anbetung geworden ist.’ Paulus war sich völlig darüber im Klaren, dass ‘auch die Schöpfung von der Sklaverei und Verlorenheit befreit werden soll zur Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes’ (Röm 8, 21-22): ‘Die gesamte Schöpfung seufzt bis zum heutigen Tag und liegt in Geburtswehen.’[54]

VII

Die wesentliche Absicht des Buches Der Geist der Liturgie war es, die Liturgie in ihren grossen Zusammenhang zu stellen, den Ratzinger in drei Kreisen versucht hat. Das ist erstens das innere  Zueinander vom Alten und Neuen Testament. Der zweite Kreis ist die Beziehung auf die Religionen der Welt. Der dritte Kreis ist der kosmische Charakter der Liturgie: ‘Die Liturgie wird in die Weite des Kosmos hinein gefeiert, umgreift Schöpfung und Geschichte zugleich.’

Leider haben fast alle Rezensionen sich auf das Kapitel ‘Der Altar und die Gebetsrichtung’ gestürzt, beklagt Ratzinger sich im Vorwort zum Ëröffnungsband seiner Schriften über Liturgie: ‘Die Leser der Rezensionen mussten schliesslich meinen, das ganze Werk handle nur von der Zelebrationsrichtung; sein Inhalt sei es, wieder die Messfeier “mit dem Rücken zum Volk” einführen zu wollen.’[55]

Nur drei Rezensionen stehen mir jetzt zur Verfügung — alle drei in theologischen Zeitschriften im deutschsprachigen Raum.

Albert Gerhards nennt den Versuch eindrucksvoll, die raum-zeitlichen Koordinaten der Liturgie in eine Gesamtschau von Kosmos und Geschichte  zu stellen. ‘Man hat jedoch den Eindruck, dass die Argumente diesem Idealbild untergeordnet werden, dem als Kontrast ein Zerrbild heutiger Praxis entgegengesetzt wird.’ Gravierender aber kommt es Gerhards die dahinter stehende ausschliessende  Entgegensetzung von Anbetung (als Wesensmerkmal der Liturgie) und Gemeinschaft vor. An vielen Stellen des Buches, so Gerhards, wird Ratzingers schon vielfach geäusserte Sorge deutlich, das die Liturgiereform vielfach ins Leere gegangen sei. Der Gedanke des Christus in und unter uns, also der Gedanke der Communio hat keinen Platz: ‘Die Lebenswirklichkeit der hic et nunc versammelten Menschen als Ort der Geschichte Gottes kommt nicht vor.’[56]

Dass es Ratzinger, wie einst Guardini, nicht um Anleitung zur liturgische Praxis, sondern um Einsichten in den Geist der Liturgie geht, schätzt Winfried Haunerland. ‘In der Sache greift er damit das wichtige, leider aber so schwierige Anliegen einer liturgischen Mystagogie auf […] Dass Liturgie ohne Kreuz und Auferstehung nichtig ist, kann nicht oft genug in Erinnerung gerufen werden.’[57]

Beherrscht irritiert reagiert Angelus Häussling ausführlich: ‘Es kann innerhalb der katholischen Kirche knapp vier Jahrzehnte nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil keiner, und schon gar nicht ein hoher Prälat und anerkannter Theologe,  zur Liturgiekonstitution dieses Konzils gefragt werden muss. Das Buch Joseph Ratzingers steht von sich her im geschichtlichen Prozess der Konzilsrezeption oder auch Nicht-Rezeption.’

Die Kirche hat das Recht zur Liturgiereform. Wenn sie konstatiert, dass ihre konkreten Sakramente und Einrichtungen eine Form haben, welche die Menschen nicht mehr anspricht, dann selbst fallweise die Pflicht ‘zur Schöpfung, zur Veränderung, zur Erneuerung ihrer Gestalt und damit ihrer selbst, damit die Menschen die Botschaft des Heils hören können und in der Gemeinschaft der Kirche “voll, bewusst-betroffen, tätig” mitfeiern’. Aber Häussling versteht schon den Einwand: ‘Liturgiereform an sich: ja, aber nicht diese. Sie ist manipuliert, sie war desinteressiert an den Menschen, ja sie hat mutwillig zerstört statt aufzuerbauen […]’

Häussling — der der Einsicht ist, dass die kosmische Dimension die Menschen unserer Umwelt nicht so intensiv wie die Früheren prägt —  versteht nicht, ‘wie im Heiligen Jahr 2000 ein Buch über Liturgie geschrieben werden kann, in dem das Konzil faktisch nicht existiert’.[58]

Man kann meiner Einsicht nach Ratzingers Jubiläumsbuch von 2000 am besten lesen als ein ‘Idealbild’ einer liturgischen  Mystagogie, das sich auch lesen lässt nicht nur als eine Betrachtung über das Wesen der Liturgie, sondern auch zugleich eine implizite Beobachtung der aktuellen Liturgiezustand nach dem Konzil sein will. Dazu kommt, dass Ratzingers Nachdenken über die Liturgie sich beharrlich und immer in seiner eigenen ‘Hermeneutik der Kontinuität’ zeigt, wie kraft der hier versuchten Analysen seiner Publikationen von 1958, 1975 und 2000 — mir in jedem Fall — klar  geworden ist.[59]

Der Geist der Liturgie will nicht im engeren Sinn eine theologische Deutung der Eucharistie bieten, sondern ‘das Wesen der Liturgie als solches, im Zusammenhang von Altem und Neuem Bund, von Weltreligionen und biblischem Glauben darstellen’. So erklärt Ratzinger sein Buch noch einmal in 2003: ‘Mein Ausgangspunkt ist nicht die Gebets-Ostung, sondern die Frage, was das eigentlich ist “Kult”, “Liturgie” — was darin geschieht, welche Art von Wirklichkeit das ist.’[60]

VIII

‘Die Reform der Liturgie aus dem Geist der liturgischen Bewegung bildete für die Mehrheit der Konzilsväter keine Priorität, für sehr viele überhaupt kein Thema.’ Ratzinger erinnert sich, dass am Anfang des Konzils zum Beispiel Kardinal Montini ganz klar sagte hier keine wesentliche Aufgabe für das Konzil finden zu können. Nur in Frankreich und Deutschland (und in Belgien und in den Niederlanden) war die Liturgie und ihre Reform zu einer drängenden Frage geworden. Diese beiden theologisch damals führenden Länder hatten in der Vorbereitungsphase die Erarbeitung eines Schemas über die heilige Liturgie durchgesetzt.’ Dass dieser Text zum ersten Beratungsgegenstand des Konzils wurde, lag […] einfach daran, dass man  hier keine grossen Auseinandersetzungen erwartete und das Ganze wie eine Art Übungsgegenstand betrachtete […] Man sah dies als eine Fortführung der von Pius X. eingeleiteten und von Pius XII. behutsam, aber zielstrebig vorangetriebenen Reformen an.’ Die Liturgiedebatte war friedlich und ohne tiefergehende Spannungen verlaufen. Es ging ja nur um ein von der Wiederentdeckung der klassischen römischen bestimmtes Profil und damit um ‘eine neue, demütig-nüchterne Zentrierung auf das eigentliche Mysterium der Gegenwart Christi in seiner Kirche’. So Ratzinger 1997.[61]  ‘Unter allen Projekten erschien der Text über die heilige Liturgie am wenigsten kontrovers zu sein’, schreibt Papst Benedikt 2008. ‘Was äusserlich als Zufall erscheinen mag, erweist sich […] als das von innen her Richtige.’ Denn: ‘Wo der Blick auf Gott nicht bestimmend ist, verliert alles andere seine Richtung.’[62]

Nicht überraschend war es übrigens, dass die neugestaltete ‘Mustermesse’ (sic) von der Mehrheit der dafür zu einer Sondersynode zusammengerufenen Väter 1967 abgelehnt worden ist.[63] Man bedenke immer dies: ‘Die Frage der Liturgie ist kein Randproblem: Gerade das Konzil hat daran erinnert, dass es sich hier um das Herzstück des christlichen Glaubens handelt […] Klar ist, dass auch bei der Vereinfachung und bei der möglichst verständlichen Fassung der Liturgie das Mysterium des Handelns Gottes im Handeln der Kirche […] unangetastet bleiben’ muss.[64]

‘Liturgie ist der Akt, in dem wir glauben, dass Er hereintritt und dass wir Ihn berühren. Sie ist der Akt, in dem sich das Eigentliche vollzieht: Wir kommen mit Gott in Berührung. Er kommt zu uns — und wir werden von Ihm erleuchtet […] Worauf es ankommt, ist, dass wirklich das Wort Gottes und die Realität des Sakraments im Zentrum stehen; dass Gott nicht von uns zerredet und zerdacht und die Liturgie nicht zu einer Selbstdarstellung wird.’ Liturgie lebt vom Anderen her. Deshalb ist die Vorgegebenheit der kirchlichen Form wichtig, nicht nur als Ausdruck, sondern auch in Gemeinschaftlichkeit dieser Form.[65]

In der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils gibt es  eine Tendenz, die falsch liegt, nämlich ‘die volkommene “Inkulturation” der Liturgie in die moderne Welt hinein’. In der Liturgie begreift man auf vielfältige Weise, mit allen Sinnen und mit dem Hineingenommenwerden in eine Feier, ‘die gleichsam aus der Tiefe der Jahrtausende und letztlich der Ewigkeit her zu mir kommt’. Es liegt eine bestimmte Art von gemeinsamer Lebensform in den Riten, ‘in denen die grosse Kontinuität sich aussagt und sich sozusagen als eine Vollmacht darstellt, die nicht von dem einzelnen kommt’.[66]

‘Mir scheint, dass schon in den 1950er Jahren und vor allem nach dem Konzil die verborgenen und auch offensichtlichen Gefahren der Liturgischen Bewegung eine grosse Versuchung, eine grosse Gefahr für die Kirche geworden sind.’ So Ratzinger in 2001. ‘Es gab nach dem Konzil eine neue Situation, weil die Liturgiker die faktische Autorität geworden sind.’ Man hat immer weniger die Autorität der Kirche anerkannt. ‘Dieser Übergang der Autorität auf die Experten hat alles verändert, und diese Experten waren ihrerseits die Opfer einer Exegese, die zutiefst von den Urteilen des Protestantismus beeinflusst war, nämlich, dass das Neue Testament gegen das Heilige war, gegen den Kult und das Priestertum, und also  im Gegensatz stand zur grossen Überlieferung […]’ Jetzt spiegelt die Liturgie die religiöse Erfahrung der Gemeinde, die das einzig wahre Subjekt ist. Das ‘führt zu einer Zerstörung der Liturgie als solcher, denn wenn die Liturgie nur der Reflex der religiösen Erfahrungen der Gemeinde ist, dann beinhaltet sie nicht mehr die Gegenwart des Mysteriums’.  Es ist notwendig, die Kirche als das wahre Subjekt der Liturgie wieder zu entdecken.[67]

Nachwort

Mit der erworbenen Kenntnis über die Auffassung der Liturgie Joseph Ratzingers lässt sich für mich einfach erklären, warum er als Papst das apostolische Schreiben Summorum Pontificum 2007 publiziert hat, warum er 2009  die Piusbruderschaft die Hand gereicht hat, warum er vorher noch als Kardinal 2003  ’40 Jahre Konstitution über die heilige Liturgie’ evaluiert hat, wie er sie evaluiert hat.

‘In der Theologie der zweiten Hälfte des 20. Jahrhundert war die Tendenz weit verbreitet, das Christentum als Entsakralisierung und als antikultisch zu interpretieren’, schreibt Ratzinger da zum Schluss: ‘Wesentlich ist, dass das Grosse und Festliche nicht autonom wird, sondern demütig dienend auf das eigentliche Fest verweist: auf das erlittene Ja Gottes zur Welt, zu einem jeden von uns.’

‘Nur wenn es eine göttliche Ermächtigung gibt, sich zu freuen — nur wenn Gott selbst es verbürgt, dass mein Leben und die Welt Grund zur Freude sind, kann es ein wirkliches Fest geben. Und darum ist die christliche Liturgie, in der die gekreuzigte Liebe Gottes gegenwärtig wird, das Fest par excellence. In dieser freudigen Gewissheit feiern wir sie, und so feiern wir sie recht.’[68]

Diese kleine Studie war nur eine Einleitung zu einer mehr umfassenden.

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[1] Ratzinger, Aus meinem Leben 23, 21.

[2] Benedikt XVI., Letzte Gespräche 80.

[3] Ratzinger, ‘Zum Eröffnungsband meiner Schriften’ in:  JRGS XI 6.

[4] Benedikt XVI., Letzte Gespräche 101.

[5] Cf. Ratzinger, Aus meinem Leben 61.

[6] Läpple 81; cf. 80. Cf. auch Benedikt XVI., Letzte Gespräche 104-106.

[7] Ratzinger, Aus meinem Leben 55, 63-64; cf. 54. Cf. auch Verweyen 19-20 & Rupert Berger, ‘Erlebte Liturgie in Ratzingers Studienzeit’ in: RS I 80-87.

[8] Cf. Benedikt XVI., Letzte Gespräche 107.

[9] Guardini, Liturgie und liturgische Bildung  14-15.

Cf. Gerl 114-115. LThK VI (1961) 1097-1099 & LThK VI (1997) 992-993. Verweyen 16-18.

[10] Hans Maier, ‘Nachwort’, Vom Geist der Liturgie 150-151.

[11] Ratzinger, ‘Von der Liturgie zur Christologie’ in: Grundsatzreden 182.

[12] Ratzinger, Der Geist der Liturgie.

[13] Ratzinger, ‘Zum Eröffnungsband meiner Schriften’ in: JRGS XI 6.

[14] Guardini, Vom Geist der Liturgie.

[15] Cf. Gerl 343-345.

[16] Cf. Läpple 46-49.

[17] Guardini, Berichte über mein Leben 94, 87-88.

[18] Gerl 65-66.

[19] Guardini, Berichte über mein Leben 31. Cf. Gerl 116.

[20] Ildefons Herwegen, ‘Zur Einführung’, Vom Geist der Liturgie 7-11.

[21] Gerl 118.

[22] Debuyst 52.

[23] Guardini, Vom Geist der Liturgie 109-121.

[24] Ibidem 96-98, 100-102.

Die Originalität des Buches Homo ludens Johan Huizingas (1938) stützt sich auf die Originalität des Kapitels ‘Liturgie als Spiel’ Guardinis. Cf. Verfasser dieses (A.B.), ‘Huizinga’s cultuurkritiek’ in: Leids Kunsthistorisch Jaarboek VII (1988) 8-36.

[25] Gerl 120-121.

[26] Ratzinger, Der Geist der Liturgie 7-8.

[27] Ibidem13, 15, 17-18.

[28] Ibidem 51.

Cf. Gunda Brüske, ‘Spiel oder Anbetung? Romano Guardini und Joseph Ratzinger über den Sinn der Liturgie’ in: RS I 95.

Die anthropologische Seite des Spielbegriffs Guardinis, so meint Brüske Anmerkung 7, 95, übernimmt in den liturgischen Schriften Ratzinger der begriff Fest. Möglicherweise ist das besonders, so füge ich zu, weil für Ratzinger Spiel doch zu spielerisch bleibt.

Huizingas Homo ludens lehrt übrigens, dass das wirkliche Spiel immer in der Atmosphäre der Freude, der Erhabenheit, des Festes sich befindet. Cf. auch Hans-Georg Gadamer, Die Aktualität des Schönen. Kunst als Spiel, Symbol und Fest (1977).

‘Es ist überraschend, dass Ratzinger nach der starken Indentifizierung mit Guardini in der wahl des Titels und den Erläuterungen des Vorworts unmittelbar mit einer Abgrenzung des mit Guardinis Klassiker bis heute verbundenen Spielbegriffs einsetzt.’ So Brüske 95. Trotzdem ist der von Joseph Ratzinger gewählte Titel  eine Ode an Romano Guardini, in wessen Nachfolge  er sich in Kontinuität stellt.

[29] Cf. Brüske, ‘Spiel oder Anbetung’ in: RS I 98-101.

[30] Ratzinger, Der Geist der Liturgie 42-43.

[31] Ibidem172-173.

[32] Cf. Brüske, ‘Spiel oder Anbetung’ in: RS I 102-107.

[33] Ratzinger, ‘Von Liturgie zur Christologie’ in: Grundsatzreden 195-198. Zitat nach Ratzinger 198 angeführt: Romano Guardini, Auf dem Weg (1923) 165.

Cf. Ratzinger, ‘Bilan et Perspectives / Bilanz und Perspektiven’ (2001) in: JRGS XI 663-664.

Cf. auch Brüske, ‘Liturgie als Spiel’ in: RS I 104-108.

[34] Guardini,  Auf dem Weg (1923) 20-21. Zitiert nach: Ratzinger, ‘Von Liturgie zur Christologie’ in: Grundsatzreden 193, 214.

[35] Ratzinger, ‘Von der Liturgie zur Christologie’: Grundsatzreden 193.

‘Tatsächlich ist der Begriff Anbetung bei Guardini keine liturgische, sondern eine schöpfungstheologische Kategorie. Anbetung ist eine Handlungskategorie, in sofern das von Gott beim Namen gerufene Geschöpf sich vor ihm neigt […] Wenn man von Ratzinger herkommend Guardini wiederliest, fällt […], dass Anbetung hier keine primär liturgische Kategorie ist […]’ So Brüske, ‘Liturgie als Spiel’ in RS I 103. Nichtsdestoweniger hat Ratzinger die Freiheit Guardinis Gedanken so weiter zu denken. Das hat zu tun mit Implizität und Explizität, eine Denkweise, die meines Erachtens zur kreativen Spekulation und damit Kraft seiner Theologie gehört.

[36] Ratzinger, Der Geist der Liturgie 189.

[37] Heibl, ‘Theologische Denker als Mitarbeiter der Wahrheit’ in: Mitteilungen 1 (2008) 70, 72; cf. 59-68.

[38] Ratzinger, ‘Kirche und Liturgie’ (1958) in: Mitteilungen 1 (2008) 13-15.

[39] Ibidem 15-20.

[40] Cf. Ratzinger, ‘Auferbaut aus lebendigen Steinen. Das Gotteshaus und die christliche Weise der Gottesverehrung’ (1975) in: Ein neues Lied für den Herrn 113-116.

[41] Ibidem 109-111.

[42] Ibidem 112.

[43] Ratzinger, ‘Kirche und Liturgie’ (1958) in: Mitteilungen 1 (2008) 22-23.

[44] Ibidem 25-27.

[45] Ratzinger, ‘Auferbaut aus lebendigen Steinen. Das Gotteshaus und die christliche Weise der Gottesverehrung’ (1975) in: Ein neues Lied für den Herrn 117-129.

Cf. Ratzinger, ‘Zur theologischen Grundlegung der Kirchenmusik’ (1974) in: Das Fest des Glaubens 96: Christliche Vergeistigung ist nicht einfach Gegensatz zur Welt der Sinne, sondern Zugehen auf den Herrn, der ‘der Geist ist’ (2 Kor 3, 17; cf. 1 Kor 15, 45). ‘Deshalb ist in diese Vergeistigung der Leib mitgenommen: Der Herr ist “der Geist” gerade als der, dessen Leib nicht in der Verwesung bleibt […], sondern von der Lebensmacht des Geistes ergriffen wurde.’

[46] Ratzinger, Der Geist der Liturgie 30-36.

[47] Cf. ibidem 36-43.

[48] Ibidem 37-40.

[49] Ibidem 53, 55; cf. 47-56.

[50] Ratzinger, Zur Lage des Glaubens 132.

[51] Ratzinger, Ein neues Lied für den Herrn 89-93. Cf. dort für das Verhältnis von Sabbath und Sonntag 92-102, wie auch in Der Geist der Liturgie 80-96.

[52] Ratzinger, Der Geist der Liturgie 20-24, 27-29.

[53] Benedikt XVI., Licht der Welt 132.

[54] Cf. Vincent Twomey SVD, ‘Benedikt XVI. — Papst und Leitourgos‘ in: Hauke 20-21.

Cf. auch Michael Kunzler, ‘Die kosmische Dimension der Eucharistiefeier’ in: RS I 179-188.

[55] Ratzinger, ‘Zum Eröffnungsband meiner Schriften’ in: JRGS XI 6-8.

[56] Albert Gerhards, ‘Der Geist der Liturgie. Zu Kardinal Ratzingers neuer Einführung in den christlichen Gottesdienst’ in: Herder Korrespondenz 54/5 (2000) (263-268) hier 264, 267.

[57] Winfried Haunerland, ‘Ratzinger Joseph Kardinal, Der Geist der Liturgie‘ in: Theologisch-Praktische Quartalschrift 149/1 (2001) (317-318) hier 317.

[58] Angelus A. Häussling OSB, ‘Der Geist der Liturgie. Zu Joseph Ratzingers gleichnamiger Publikation’ in: Archiv für Liturgiewissenschaft 43/44 (2001/02) (362-395) hier 363, 388, 393; cf. 390.

[59] Mehrere Ratzinger-Spezialisten versuchen ihn und seine Schriften in dieser Hinsicht zu ‘periodisieren’.  So Verweyen 2007: Joseph Ratzinger — Benedikt XVI. 135-143. Derselbe aufs neue 2012: ‘Liturgie in den frühen Schriften Joseph Ratzingers’ in: RS V 74-89.  Michael Schneider, ‘Zur Erneuerung der Liturgie nach dem II. Vatikanum’ in: RS I 139-170. Albert Gerhards, ‘Die Liturgie im Denken und Handeln Papst Benedikts XVI.’ in: Tück 431-445.

[60] Ratzinger, ‘Réponse à la Lettre ouverte d’Olivier Bauer / Antwort auf den offenen Brief von Olivier Bauer (2003) in: JRGS XI 684-685.

[61] Ratzinger, Aus meinem Leben 103-104.

[62] Ratzinger, ‘Zum Eröffnungsband meiner Schriften’ in: JRGS XI 5.

[63] Ratzinger, Aus meinem Leben 104-106.

[64] Ratzinger, Zur Lage des Glaubens 123-124.

[65] Benedikt XVI., Licht der Welt 131-132.

[66] Ratzinger, Salz der Erde 186-187.

[67] Ratzinger, ‘Bilan et Perspectives / Bilanz und Perspektiven’ (2001) in: JRGS XI 664-666.

[68] Ratzinger, ’40 Jahre Konstitution über die heilige Liturgie. Rückblick und Vorblick’ (2003) in: JRGS XI 710-711.